25.11.2017

Blind date heute - Spinkreativ/Sabine

Liebe Modern Cologne Quilters, ich finde eure Idee mit dem Blind date richtig klasse und freue mich sehr darüber, mich vorstellen zu dürfen.

Mein Name ist Sabine, ich bin Jahrgang 1960 und lebe in NRW in einem kleinen Ortsteil von Euskirchen. Ich habe eine erwachsene Tochter und bin in zweiter Ehe verheiratet. Anfang 2013 haben wir einen Hof mit knapp 5 Hektar Land gekauft, der ziemlich vermüllt war. Es war eine Heidenarbeit, aber wir freuen uns über jeden Fortschritt. Dort leben wir mit unseren Hunden (ein Australian Shephard Rüde und eine Australian Shephard – Border Mischlingshündin, am  3.11. sind 6 Hundebabies dazugekommen), 6 Walliser Schwarznasenschafen (auch hier ist Nachwuchs unterwegs), 3 eigenen Pferden (nein, ich reite nicht) und 6 Einstellpferden.  Da ich auch noch berufstätig bin (Softwareentwicklerin in einem Versicherungsunternehmen), bleibt mir oft viel weniger Zeit für mein Hobby Patchwork als ich mir wünschen würde. Zum Glück wird es jetzt Winter, die Arbeit auf dem Hof weniger und ich kann wieder mehr nähen.

Bei  meiner Oma habe ich häkeln, stricken und nähen gelernt und mit Begeisterung meine Barbiepuppe (damals war man glücklich, wenn man eine einzige hatte) ausgestattet. Handarbeiten begleiten mich schon mein ganzes Leben lang, meine Hände müssen anscheinend immer was zu tun haben.

Nach der Geburt meiner Tochter habe ich einige Nähkurse gemacht um Kleidung zu nähen. Patchwork war da für mich immer noch kein Thema, lange Zeit habe ich immer behauptet, Patchworker seien diese Verrückten, die Stoff kaufen, ihn auseinanderschneiden und neu zusammennähen, so wirklich Sinn habe ich darin nicht gesehen – heute gehöre ich selbst dazu.

Wie es dazu kam:
In der Grundschule machte meine Tochter dann bei einer Projektwoche „Malen mit Stoff“ mit (2002/2003 muss das gewesen sein). Es wurde von der Gruppe ein ABC-Quilt und für jede ein Atarashi-Täschen gemacht. Die Lehrerin spielte mit mir im Tennisverein und erzählte immer wieder begeistert über Patchwork. Ich wurde neugierig und  irgendwie hat mich zu dieser Zeit  Patchworkvirus dann erwischt.  Es entstanden eine Mitteldecke und diverse Tischsets (für die Decke habe ich den Stoff gerissen !!! – Rollschneider, Schneidematte nebst Linealen habe ich erst kurz danach entdeckt).

Im Generalanzeiger fand ich eine Anzeige für „die lange Nacht der wilden Sterne“ (im Patchworkladen von Romy Bügers in Bonn), die mich sehr reizte und letztendlich eine Einführung in die freie Schneidetechnik darstellte. Romy Bügers hatte in ihrem Laden wunderschöne Stoffe, die geradezu danach schrien, zerschnitten und neu zusammengesetzt zu werden. Es folgte ein weiterer Kurs zum Thema Courthousetechnik ala Kaffee Fassett – in dem ich natürlich nicht mit Resten antrat (weil nicht vorhanden) sondern extra Stoffe gekauft hatte. 


Durch die Kursleiterin (mit der ich noch heute befreundet bin), lernte ich weitere Patchworkerinnen und eine Patchworkgruppe kennen. Die Gruppe gibt es heute leider nicht mehr, aber mit einigen davon habe ich immer noch Kontakt. In jener Zeit entstanden textile Wandbilder in den verschiedensten Techniken (Ton Schulten, Hundertwasser, Ricky Tims, …) und freie Arbeiten.


Zeitungen und Büchern zogen dann reichlich in mein Haus ein und dienten als Vorlage für weitere Arbeiten. Den Storm at Sea in der Burda musste ich unbedingt arbeiten, er gehörte in die blaue Phase meiner Tochter, heute ist die Phase vorbei und blau kommt nur noch wenig bei uns vor.


Nichten und Neffen kamen als Familienzuwachs und ich entdeckte eine Leidenschaft für Kinderdecken, entwarf und nähte eigene Entwürfe. 


Am liebsten arbeite ich autodidaktisch, gelegentlich treffen wir uns zum „puscheln“, wie es eine Freundin nennt und nutzen die Zeit zum Nähen und austauschen.  Meine Sammlung an Patchworkbüchern vergrößert sich ständig (kommt euch das bekannt vor?), viele sind wunderschöne inspirierende Bilderbücher. 

Wenn ich Kurse besuche, gehen sie eher in die Richtung Artquilt. Beeindruckt haben mich ein Kurs bei Elsbeth-Nusser Lampe (Textile Blattwerke),  ein Quiltkurs bei Jacqueline Heinz (eigentlich gehörte hier auch noch ein Färbetag bei Gabi Tisch dazu, den ich mir aber gespart habe, dazu später mehr), der Onlinestickkurs bei Anne Lange (zugeben, hat nicht direkt etwas mit Patchwork zu tun, verwende ich aber schon mal gerne bei ATC). Klasse waren auch die Kurse bei Gabi Mett. 

Textile Blattwerke
Einige meiner eigenen Quilts und solche, die ich für das Patchwork-Kaleidoskop in Euskirchen (das es heute leider nicht mehr gibt) entworfen habe, sind in der Burda Patchwork, dem Patchworkmagazin oder der Patchwork Professional veröffentlicht worden. Ab und zu habe ich im Patchwork-Kaleidoskop auch mal einen Kurs gegeben. Ich habe diese Zeit genossen, sie lag allerdings – ich hoffe, das hört sich nicht blöd an – vor meiner zweiten Ehe und dem Hof, heute würde mir die Zeit dafür fehlen (und, wenn ich ehrlich bin, ist es eine Heidenarbeit die Anleitungen und Zeichnungen zu erstellen, wenn dann noch Druckfehler dazu kommen, wird es umso ärgerlicher).

mein erster veröffentlichter Quilt 

Blumeninspirationen (veröffentlicht in der Patchwork Professional)
Zur Zeit entwerfe und nähe ich Kinderquilts aus den Stoffen von Rae Ritchie (wenn ich den erwische, der die ganzen Kinderstoffe in meinem Fundus gekauft hat, workpaar von Cori Dantini sind auch noch vorhanden). Außerdem wartet die Tagesdecke für das Bett meiner Tochter auf Quiltvorbereitung und quilten (bei ca. 200 x 220 cm eine Herausforderung für meine Pfaff Quiltexpression – ich will hier meine Erkenntnisse aus dem wirklich tollen Buch WALK von Jacquie Gering umsetzen.

Meine WIP sind hier zu sehen

Zusätzlich mache mit beim Triangle QAL von Bernina  (übrigens mein erster QAL). Der ist sehr schön übersichtlich und schnell zu nähen. Leider darf ich die Blöcke 1 bis 3 noch einmal nähen und auch die ca. 100 einfachen Dreiecke nochmal zuschneiden. Ich habe die 4 ¾ inch Streifen geschnitten und daraus mit meinem Clear View Triangle Lineal die Dreiecke. Jenes Lineal hat  immer hervorragend für meine One Block Wonders und Trianglequilts funktioniert – nur es  hat keine Ecken ab – so ist nun alles einen ¼ inch zu klein. Ich hätte eben doch die Papierschablone unters Lineal kleben sollen (wie heißt es so schön, wer lesen kann, ist klar im Vorteil?). Ich hab schon alle Blöcke 1, 2, 3 wieder aufgetrennt und hoffe die Teile noch für weitere Blöcke des QAL verwenden zu können (aus den Teilen des Block 1 habe ich zumindest schon mal die Flügel für Block 3 bekommen und von den 100 zu kleinen einfachen Dreiecken ließen sich die 7 mittleren Dreiecke für Block 5 gewinnen). Nur gut, dass die Entscheidung für den Akzent- und den Hintergrundstoff noch nicht abgeschlossen war und ich für die Musterstoffe jeweils einen halben Yard zur Verfügung habe.  Hier ein paar Links zu meinen QAL-Bilden auf Instagram




Und dann wäre da noch mein lapassacaglia-Quilt (ohne EPP) - ich konnte mich nicht so recht damit anfreunden, knappe 3000 Papierteilchen mit Stoff zu beziehen und aneinanderzunähen (Willyne Hammerstein macht schließlich auch kein EPP). Eigentlich war das Thema als „Zugprojekt“ gedacht (ich pendele mit der DB zwischen Euskirchen und Köln), aber da die Bahn manchmal den Charakter von Viehtransporten hat und die neuen Züge sitzplatztechnisch auch nicht allzu üppig bemessen sind (und ich wirklich nicht dick), ist dieses Vorhaben nur schwer umsetzbar, schließlich will ich die Sitznachbarn ja nicht pausenlos mit den Ellbogen traktieren oder garim Schlaf stören.  So geht es eben langsamer voran, als ich mir wünsche, denn die Sommersonnentage draussen sind ja auch leider vorbei.


Am liebsten nähe ich Decken als „Gebrauchsquilts“ – Quilts zum kuscheln und träumen – wie ich es nenne. Ich freue mich darüber, dass so mancher meiner Entwürfe Liebhaber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gefunden hat und wirklich zum kuscheln und träumen genutzt wird. Quilts müssen aus meiner Sicht einfach benutzt werden.  Fast alle meiner Quilts haben Mikrofaserfleecerückseiten, das gibt es als Meterware oder ich greife auch gerne auf Decken zurück.
Ich bin eine eher minimalistische Quilterin,  liebe zwar die wunderschönen Alloverquiltmuster, bringe es aber selbst nicht fertig, so zu quilten, nicht weil ich es nicht kann, sondern weil es für mich den Kuschelcharakter der Quilts zerstört. So beschränke ich mich für meine „Gebrauchsquilts“ darauf innerhalb der Blöcke zu quilten.


Bei Quilts mag ich gerne einfache Muster, so begeistern mich immer wieder Quilts aus einfachen Quadraten, Strip Quilts und ganz besonders die One Block Wonders (da sind auch noch 3 Stoffe in meinem Fundus, die darauf warten, zu einem One Block Wonder zu werden). Ich bewundere die Quilts die Bruce Seeds entwirft – er nennt sie Mosaic Art Quilts. Zeitungen und Bücher verstehe ich als Vorschläge, es reizt mich gar nicht einen Quilt in genau den vorgestellten Stoffen nachzuarbeiten.  



Paper Piecing habe ich auch schon probiert, es hat allerdings Jahre gedauert, bis dieser Quilt fertig war. Er ist schwer (das Papier habe ich natürlich rausgemacht), aber es ist schon eine Menge Stoff darin enthalten. Die Vorlagen sind von Karen K. Stone und Valorie Wells, einige habe ich abgeändert. Zum Kuscheln und Träumen ist dieser Quilt auch nicht, das verwendete Rückseitenfleece war steifer als ich ursprünglich dachte und ich habe auch intensiver als sonst für mich üblich gequiltet. Als Tagesdecke für unser Bett ist er zu klein und da manchmal unsere Hunde aufs Bett oder Sofa springen …  das ist der einzige Quilt, bei dem ich das nicht zulassen würde, zu viele Arbeitsstunden stecken darin. Jemand hat mich mal gefragt, für wieviel ich ihn verkaufen würde – ehrlich, kann man das bezahlen?


Das Internet mit seinen Blogs und Bildern (nicht zu vergessen das Stoffangebot) und Instagram stellen eine fortwährende Quelle der Inspiration und Verführung dar. Mittlerweile habe ich auch einen ganzen Ordner voll mit Anleitungen von Taschen und Täschchen, die ich auch irgendwann mal nähen möchte. 

Ab und zu mache ich kleinere kreative Arbeiten, da wartet noch mein ART-Quilt-ABC auf Fertigstellung und auch mein Kartenbestand  will mal wieder aufgestockt werden. Vielleicht entsteht ja irgendwann auch mal das eine oder andere textile Buch oder Leporello?

Meine Liebe für Farben gehört eindeutig rot, grün, weiß, beige, creme, braun. Blumen – und Schriftstoffen kann ich schwer wiederstehen. Blau, gelb, lila, schwarz-weiß  sind  eher unterrepräsentiert, es passt für mich auch nicht wirklich in mein Umfeld, das eher von Naturtönen dominiert ist. Oft erwische ich mich auch dabei, dass ich Stoffe kaufe, die dann eigentlich zu schade zum zerschneiden sind (zum  Beispiel Stoffe von Tim Holtz). Neuerdings entdecke ich auch Unistoffe, bisher waren es eher fast-Unistoffe, wie die Serie Krystal von Michael Miller, die mich eher angesprochen haben.

Was ich gar nicht mag, ist Färben. Ich habe es mehrfach versucht, aber es gibt so viele schöne Stoffe und mir ist das Ergebnis einfach zu unberechenbar und außerdem mag ich dieses „Gematsche“ einfach nicht.


Ich hoffe, meine Vorstellung hat euch gefallen. Falls ihr mehr von mir sehen möchtet, freue ich mich auf euch auf meinem Blog spin-kreativ.blogspot.com/  oder bei   Instagram – dort findet ihr mich unter @spinkreativ.




Kommentare:

  1. Was für eine schöne Vorstellung. Bis zum Schluss habe ich mit Freude gelesen. Tolle Arbeiten zeigst du.
    Und lächeln musste ich bei der Barbie! Ich habe meine auch von oben bis unten behäkelt, waren doch Barbiekleider in meiner Kindheit so teuer. Und soviel Geld hatten meine Eltern nicht. Also war ein gekauftes Barbiekleid immer eine Seltenheit zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

    Gruß Marion

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  2. Liebe Sabine!
    Wow. Tolle Vorstellung! Wahnsinn, was Du alles schon gemacht hast. Das klingt wirklich spannend und, dass der Hof Dir wenig Zeit lässt, kann ich verstehen, aber wenn man weiß, wofür es ist, dann bringt man dieses Opfer ja gern und der Winter bringt sicher mehr Zeit für kreative Stunden. Habe Dich auf Instagram schon gefunden und bin gespannt, was Du weiter so machst! Liebe Grüße Deine Ariane

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  3. Deine Vorstellungsgeschichte hast du sehr interessant erzählt. Wunderschöne und sehr viele Quilts sind entstanden und die Entwicklung ist gut sichtbar. Interessant finde ich auch, dass du den lapassacaglia-Quilt ohne Papier nähst.
    LG eSTe

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  4. Hallo Sabine,
    da wohnst Du doch relativ nah und trotzdem sind wir uns noch nie über den Weg gelaufen. Deine Quilts sind so vielseitig wie es nur sein kann. Es gibt ja soooo viele Techniken, die es auszuprobieren gilt.
    Ich wünsch Dir weiter viel Spaß beim Quilten und zu einem Hof paßt dieses Hobby auch perfekt.
    Viele Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,
      ich glaube, wir uns sogar schon noch näher, bis 1996 habe ich in Bonn-Auerberg gewohnt, da ist Mondorf sozusagen doch gegenüber. Mit dem ausprobieren hast du völlig recht, ich fürchte, ein Leben wird nicht reichen.
      Viele liebe Grüße
      Sabine

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  5. Hallo Sabine,
    mit Spannung habe ich deinen Bericht gelesen. Wunderschöne Quilts hast du gezaubert, äußerst interessanten Künstlern über die Schulter geschaut und auch -wie viele in unserem Alter, die eigene Barbie benäht bzw. gehäkelt. Das Hobby passt genial zu einem Hof - da musste ich an Quilts der Gee's Bend denken und schon kam eine neue Idee. Viel Spaß weiterhin, ich werde deine Veröffentlichungen gern bestaunen.
    Lieben Gruß aus dem hohen Norden
    Andrea

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  6. Euch allen einen herzlichen Dank für eure lieben Kommentare, ich habe mich sehr gefreut.
    Ich wünsche euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit und viele Stunden für kreative Arbeiten
    Liebe Grüße
    Sabine

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