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04.02.2017

Blind date heute - madewithblümchen/Gabi

Hallo, liebe Damen!

Ich fühle mich außerordentlich geehrt und freue mich sehr über Judiths Einladung zum „Blind Date" hier bei den Modern Cologne Quilters!


Ich bin Gabi, Mitte 40 Jahre alt, lebe in Graz und handarbeite seit rund 35 Jahren. Ich bin breit interessiert an Textilem: Ich nähe unerschrocken alles, was meine alte "Privileg Super Nutzstich" (eine Janome von ca. 1990) und meine neue W6 Overlock (von 2015) schaffen: Praktisches, Patchwork, Taschen, Kleidung, aus Webware und Jersey. Ich stricke und häkle, sticke gerne aber selten mit der Hand, habe vor Kurzem zu klöppeln begonnen und probiere prinzipiell alle möglichen Handarbeitstechniken aus. Ich liebe textile Reisen, Märkte und Ausstellungen, Treffen und Bücher. Über all das berichte ich auf meinem Blog made with Blümchen.

Verschiedene Projekte aus den letzten zwei Jahren
Beruflich hat sich vor Kurzem ein Neustart ergeben: Im Herbst 2016 habe ich Temysto gegründet, die Plattform für "Unikate mit Geschichten", auf der wir Geschichten über hochwertig handgemachte Gebrauchsgegenstände von ihrer Herstellung bis zu ihrem Lebensende erzählen wollen. Wir (mein Mann und ich) programmieren gerade und werden bald mit einer Beta-Version online gehen.
Das Patchworken ist für mich eine wiederkehrende Faszination, zu der mich meine Handarbeitslehrerin in der vierten Klasse Gymnasium gebracht hat. Wir haben damals ein kleines Patchwork-Top komplett per Hand genäht und gequiltet. Die Lehrerin hat uns beigebracht, dass die Ecken ganz genau aufeinander treffen müssen, und diese Genauigkeit liegt mir sehr. Ich habe damals keinen Polster daraus gemacht sondern das Stück zu einem Gilet weiter verarbeitet. Die Farb- und Musterwahl finde ich im Rückblick schauderhaft, aber auf meine exakten Handnähte bin ich immer noch stolz.
Patchwork Gilet, 1986

Mit 20 Jahren habe ich für meine Eltern einen ca. 2,5 x2,5 Meter großen Quilt nach einer Anleitung in einem alten Handarbeitsheft genäht. Heute weiß ich, dass es ein Log Cabin Quilt ist. Ich habe Stoff gekauft, mit Schablonen und Schere zugeschnitten und fröhlich mit der Maschine drauflos genäht. Irgendwie habe ich das riesige Teil auch zum Quilten unter die Nähmaschine gebracht. Ich finde es häufig schade, wenn ich in Foren lese, dass sich eine Näh-Anfängerin dieses oder jenes nicht traut. Dabei muss man es häufig einfach nur tun, dabei lernt man so viel!


Ich arbeite gerne ergebnisorientiert, mache am liebsten Dinge für einen bestimmten Zweck (außer bei den Stoffspielereien, an denen ich gerne teilnehme, da ist das Ausprobieren der Zweck und das Ziel) und am besten mit einer Deadline. Dabei drängen sich oft kleine, "schnelle" Projekte dazwischen, wodurch ich zu den großen Projekten nie wirklich komme.

2016 habe ich Foundation Paper Piecing entdeckt, was mir unheimlich gut gefällt, da ich ja so gerne ordentlich und genau arbeite. Als Jugendliche habe ich gerne gepuzzelt, die Teilchen konnten gar nicht zahlreich genug und klein genug sein. Ein bisschen so geht es mir jetzt wieder, im letzten Jahr sind einige kleinteilige Stücke entstanden. Die Vorlage für den Hasen (links oben im Bild) habe ich selbst erstellt, nach einer Grafik von Kreativbühne.


Wiederverwendung und Upcycling liegen mir am Herzen, und auch dieser ursprüngliche Aspekt des Patchwork gefällt mir sehr. Der Großteil meines Stofflagers stammt Second Hand aus dem Caritas-Laden, und auch kleinste Stoffreste sind bei mir noch kein Abfall sondern wertvoller Rohstoff. Wenn ich in einem Stoffladen bin, werde ich natürlich schwach bei tollen Farben und Mustern, ich habe aber (bisher) keine/n Lieblings-Designer/in oder Lieblings-Stoffserien und kaufe nur sehr wenig und meist projektbezogen neue Stoffe.

Ich mag geometrische Muster in kräftigen Farben und verwende gerne Unis. Bisher habe ich hauptsächlich gepatched und nur das Nötigste gequiltet. Für mich soll das Quilting das Muster im Top betonen und unterstützen, bzw. auf der Rückseite des Quilts wiederholen. Machmal finde ich es fast schade, wenn ein tolles Top so stark mit anderen Mustern überquiltet wurde, dass das ursprüngliche Muster dahinter verschwindet.


Meine Inspiration und mein Austausch mit anderen kommt hauptsächlich aus dem Internet, genauer gesagt von Blogs, von Instagram und Pinterest. Auf Pinterest habe ich ein Board zum Ideensammeln eingerichtet. Zusätzlich besitze ich ganze vier Stück Patchwork-Bücher.


In "Quilting makes the Quilt" (englisch, 1999, ISBN 978-1564770752) hat Lee Cleland zwölf verschiedene Tops je fünf mal exakt gleich genäht, aber jeweils unterschiedlich gequiltet. Ich finde es sehr faszinierend, wie unterschiedlich dasselbe Top anders gequiltet wirkt. Das Buch zeigt, wie wichtig die Überlegungen zum Quilten für das Endergebnis sind.

"Two for your money" von Jo Parrott (englisch, 1994, ISBN 978-1564770738 ) zeigt, wie man die Reste eines traditionellen Quilt-Designs gleich für einen zweiten Quilt verwerten kann. Schön sparsam.

"Quiltessential" von Erin Burke Harris (deutsche Übersetzung 2015, ISBN 978-3258601205) vermittelt die absoluten Grundlagen, die zum Nähen eines Quilts benötigt werden, sehr anschaulich und übersichtlich. Ein schönes Nachschlagewerk. Andrea Kollath von der Quiltmanufaktur hat eine begeisterte Rezension darüber geschrieben.

Und "The Farmer's Wife 1930s Sampler Quilt" von Laurie Aaron Hird (englisch, 2015, ISBN 978-1440241468) habe ich mir vor Kurzem zugelegt, als ich vom noch bis Mai 2017 laufenden sew-along hörte. Für den sew-along bin ich zwar schon viel zu spät dran, aber das Projekt insgesamt reizt mich. Das Buch beinhaltet 99 Leserbriefe von amerikanischen Bäuerinnen aus der Zeit der Depression und 99 zu den Texten passende traditionelle Quiltblöcke. Zum Buch gehört eine CD-Rom, auf der alle Blöcke sowohl als Schablonen als auch als Foundation Paper Piecing Vorlagen sehr gut aufbereitet sind, sodass man sich aussuchen kann, welchen Block man in welcher Technik lieber nähen möchte. Dieses Buch möchte ich in den nächsten Monaten Brief für Brief, Block für Block durcharbeiten.

Ansonsten hört die Inspiration nie auf, die Projekte gehen mir mit Sicherheit nicht aus, und ich verwende jeden möglichen Stoff, egal ob dick oder dünn, alt oder neu, mit oder ohne Designer und Namen. Ein von Pojagi (koreanisches Patchwork) inspirierter Teppich aus Möbelstoffen in unserem Flur wartet zum Beispiel darauf, mit einem dazu passenden Vorhang aus Seiden-Resten an der Balkontür komplettiert zu werden.


Ich spare gerade auf eine gute, teure, neue Nähmaschine (Quilting Edition) mit viel Platz rechts von der Nadel und habe einen Workshop zu La Passacaglia gebucht, in dem ich das English Paper Piecing probieren möchte. Und, und, und... Mir wird wirklich nicht langweilig.

Ihr findet meine Projekte auf meinem Blog www.madewithbluemchen.at, auf Facebook, Instagram und Pinterest.

Ich danke Euch fürs Lesen und freue mich auf Eure Kommentare!

Kommentare:

  1. Oh liebe Gabi,
    das ist echt ein formidabler LogCabin-Quilt und auch das Gilet ist - Farbe hin oder her - ein handwerkliches Meisterstück. Diese Genauigkeit und dazu beim Gilet die Handnähte!
    Herrlich wie Du beschreibst, dass Dir die Ideen niemals ausgehen. Ich denke, das bringt uns weiter und lässt uns immr mehr lernen und ausprobieren. Kein Scheu haben vor Neuen - so habe ich Dich ja auch kennengelernt und freue mich auf vieles Neue mit Dir!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Liebe Ines, ich freu mich auch auf unsere weitere gegenseitige Inspiration! Da ich ja letzten Samstag beim Blind Date mit Dir gelesen habe, wie wenig Du Handnähen magst freu ich mich über dein Lob zum Gilet noch mehr! Das ist halt das Großartige am Handarbeiten, dass es immer wieder etwas zu Entdecken und Auszuprobieren gibt. Ich mag mich da auch gar nicht einschränken sondern genieße es, aus der Fülle der Möglichkeiten zu schöpfen. Schön, dass wir da so ähnlich denken! lg, Gabi

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  2. Liebe Gabi,

    Du bist auch so ein Tausendsasser wie ich. Ich kann gut nachvollziehen, wie es ist, sich nciht auf eine Sachen festlegen zu wollen. Dein Motto: Einfach versuchen finde ich großartig. Ich bin auch der Typ der sagt, grundsätzlich kann ich erst mal alles. Und dann mal schauen, wie gut.
    Ich beide ja Menschen, die einen guten Handwerkskurs in der Schule hatten. ich hatte nur einen in der fünften Klasse. Wie sollen die jungen Schüler eigentlich ihre Talente erkennen, wenn nichts mehr angeboten wird.

    LG Mareike

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    1. "Grundsätzlich kann ich alles, und dann schauen wie gut." Jaaa, wie großartig! Genau solches Selbstbewusstsein ist so dringend nötig bei Vielen. Ich gebe Dir Recht: Bei meinem Sohn im Gymnasium mussten sie entscheiden zwischen Textiles Werken und Technisches Werken - und klar, dass keiner der Jungs sich für Textiles Werken entscheiden "konnte", die Peer-Group war zu konservativ. Obwohl mein Sohn als Sechs- und Siebenjähriger mit Begeisterung neben mir saß, um eine bunte Bordüre für die Oma mit Kreuzstich zu fertigen. Und einen rot-gelben Hogwarts-Schal gestrickt hat. (Vielleicht bekomme ich ihn doch noch an die Nähmaschine. So grundlegende Fertigkeiten möchte ich, dass meine Kinder lernen.) Wenn die kreativen Fächer in den Schulen noch mehr gekürzt und eingespart werden, schlimm ist das. Ich bin Deiner Meinung, aber die Debatte über eine dringend notwendige Änderung unseres Bildungssystems führt jetzt zu weit. (Ich sage nur: Sir Ken Robinson, "In meinem Element".) Danke fürs Vorbeischauen, wir lesen uns! Gabi

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  3. Oh wie schön, hier noch mehr von dir zu lesen und zu sehen, Gabi. Deine Genauigkeit finde ich bewundernswert und deine Liebe zur Perfektion. Geht mir leider völlig abhanden... Räusper. Ich stimme dir auf jeden Fall zu, dass man mehr probieren sollte und sich zu Neuem trauen sollte. Jawoll!
    LG. Susanne

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    1. Liebe Susanne, du bist so kreativ und du hast einen Output, dass ich regelmäßig mit den Ohren schlackere! Perfektion ist nicht immer vorteilhaft, wie wir wissen! Lange Zeit habe ich mir regelmäßig Blockaden damit eingefahren, dass ich nichts wirklich abschließen und loslassen konnte. Zum Glück hat sich das bei mir in den letzten Jahren sehr gebessert - nicht zuletzt durchs Bloggen, wo ich mich dazu zwinge, regelmäßig Dinge abzuschließen, wenn sie "gut genug" sind. Immer wieder Neues entdecken, Dinge ausprobieren, sich in fremde Gefilde aufmachen - es könnte sein, dass da bei mir auch ein bisschen die Ethnologin durchschlägt, kommt mir gerade. Ich freu mich über Deine kreativen, völlig unperfektionistischen, wunderbaren Ergüsse! lg, Gabi

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  4. Liebe Gabi,
    schön, hier von dir zu lesen und dich darüber näher kennenzulernen ...
    spannend, dass du bereits so jung eine ganze Weste handgenäht/-gepatchworkt hast ... und das noch so akurat und genau ... und v. a., dass es diese Weste nach sooo vielen Jahren offensichtlich immer noch gibt!!! =)))
    Immer wieder Neues mit Vielfalt auszuprobieren liegt mir auch ... Neugier bringt weiter und das Lernen hört nie auf ... =)))
    Viel Freude bei deinen geplanten Projekten ... ich bin gespannt auf die Ergebnisse!
    Mit lieben Grüßen
    Kirsten

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    1. Hallo Kirsten, danke fürs Vorbeischauen! Ja, die Weste hat jahrelang mit anderer Kleidung aus Jugendtagen in einem Schrank im Haus meiner Eltern geschlummert. Als sie vor ein paar Jahren auf- und ausgeräumt haben, ist sie wieder aufgetaucht; ich konnte sie nicht weggeben und habe sie mitgenommen. Ich wollte sie zu etwas Anderem umarbeiten, einem Kissen vielleicht oder einer Tasche, konnte mich aber nicht entscheiden. (Ist auch nicht wirklich mehr meine Farbe. Viellicht was für die Tochter. Vielleicht auch nicht.) Es gibt ein ganz furchtbares altes Bild von mir, auf dem ich sie gemeinsam mit einem rosa Blümchenrock und einer Rüschenbluse trage. Dieses Bild habe ich Euch (und mir) dann doch erspart ;-) (*hüstel* Jaaaa.... 1986 ist nun ja doch schon ein Weilchen her. *hüstel*)
      Ah, jetzt habe ich nachsehen müssen: Ja, auf Instagram folge ich Dir, und dein wonky Rolling Stone vom Januar ist die Wucht! Auf Deinen 12-Blöcke-Quilt bin ich ja schon mega-gespannt! lg, Gabi

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  5. Was für eine gute Einstellung, das Bewusstsein, alles zu können ist optimal und motiviert sehr. Denn mit Geduld entstehen dann so wunderschöne und vielfältige Werke wie du sie uns zeigst. Es ist beeindruckend, dass du schon in so jungen Jahren diesen herrlichen LogCabin in der enormen Größe genäht und sogar selbst gequiltet hast.
    LG eSTe

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    1. Liebe eSTe, beim Handarbeiten zumindest habe ich diese Einstellung, dass ich alles lernen kann, was ich will. Und bei Computern. Bei grober Mechanik wie Metallbearbeitung oder Autos und bei sportlichen Aktivitäten sieht die Sache schon anders aus... Es könnte aber daran liegen, dass ich diese Bereiche nicht so gern mag und da nicht so motiviert bin! ;-) Aber danke für Deinen positiven Kommentar. Den Log Cabin habe ich minimalistisch gequiltet, immer nur um das zentrale kleine Quadrat herum, und ganz glatt geht natürlich anders. Aber ich glaube, selbst wenn es damals (1992) schon Langarm-Quiltmaschinen gegeben hätte, hätte ich es mir nicht leisten können. Irgenwann möchte ich mal mit so einer Maschine arbeiten. Die faszinieren mich schon sehr. lg, Gabi

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  6. Immer wieder eine Bereicherung, durch das Blind Date neue Quilterinnen und ihre Werke sowie Sicht der Dinge kennen zu lernen. Ich habe den Post mit Freude gelesen! Liebe Grüße von Martina

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    1. Hallo Martina, vielen Dank! Das freut mich auch! Ich fand auch sehr spannend, wie Du zu Deinem Blognamen gekommen bist. Sehr spannend! lg, Gabi

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  8. Liebe Gabi,
    Da musst du dich gar nicht geehrt fühlen, dass du hier beim Blind Date mitmachst. Und wenn ich mir so deine Geschichte durchlesen, dann ist es einfach wunderbar, dass du hier gelandet bist. Deine Temysto-Idee und Plattform finde ich grossartig. Da werde ich nachher noch viel mehr stöbern. Ich werde sicher auch mal Kontakt aufnehmen. Schade eigentlich, dass du auf den Landmädel-Quiltalong erst zu spät gestossen bist. Da gab es ja für jeden Block auch Nähanleitungen, die reihum geschrieben wurden. Das war super spannend.
    Vielen Dank, dass du hier mitgemacht hast. Viele Grüße,
    Martina

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    1. Hallo Martina, doch: Ich darf mich schon geehrt fühlen, weil so eine Einladung ja immer auch Wertschätzung für die eigenen Arbeiten bedeutet. Und das freut mich sehr. Wie schön, dass Dir die Idee von Temysto gefällt! Wir sind am Aufbauen, es dauert immer alles länger als geplant, bei solchen IT-Projekten, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg. Ich freu mich, wenn Du Dich diesbzüglich meldest!
      Naja, ich bin gar nicht so traurig, dass ich den Farmhouse Wife Quilt-Along sozusagen verpasst habe. Ich mache dieses Jahr zwar auch mit bei "6 Köpfe - 12 Blöcke" (wie so viele andere auch...), habe aber das Gefühl, dass ich mich für Quilt-Alongs oder sonstige -Alongs nicht so wirklich eigne. Entweder es geht mir zu schnell oder es geht mir zu langsam, jedenfalls entspricht es meist nicht meinem Tempo und habe ich dann auch viel zu wenig Zeit zum Lesen und Kommentieren der anderen Beiträge oder Fragen - was ja bei XY-alongs total wichtig ist. Also: Mal sehen, wie weit ich komme und wie das so läuft, wenn ich es im Alleingang probiere. lg, Gabi

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