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17.09.2016

Blind date heute - Nähzimmer/Renate

Ein Blind Date ohne Rose im Knopfloch als Erkennungszeichen, das ist doch mal was!

Toll, dass die Modern Cologne Quilters eine weitere Möglichkeit schaffen, Gleichgesinnte zu erreichen.

Patchwork im Allgemeinen empfinde ich als eine starke Energiequelle, die gelegentlich auch schon einmal übersprudelt. Ist dies der Fall, stelle ich mich kurz wieder innerlich „auf null“. Überschüssige Ideen werden zur Neuorientierung nach Dringlichkeiten geordnet in die „Warteschleife“ verschoben. Es ist schon manchmal eine Gratwanderung, meine Vorhaben mit der zur Verfügung stehenden Echtzeit im Alltag in Einklang zu bringen.

Zu meiner Person: Ich heiße Renate Salz, Jahrgang 1948, lebe seit 2005 mit Partner im Rhein-Sieg-Kreis / Nordrheinwestfalen und nehme seit Jahren regelmäßig an Treffen einer örtlichen Patchworkgruppe teil.


Meine Näh-Gene sind eindeutig auf die Mutter zurück zu führen. Sie und ihre Schwestern nähten durchweg die Kleidung von A - Z in gelungener Eigenregie. Selbstgenähtes begleitete mich noch ungefähr bis zum 16./17. Lebensjahr.

2007 formierte sich die vorhin erwähnte Gruppe, ich wurde angesprochen – und war dabei. Patchwork – na ja, kann ja so schwer nicht sein, Hauptsache es hat etwas mit Maschine, Nadel und Faden zu tun. Nähen kannst du ja schließlich.

Es kam wie es kommen musste: Mein erstes angestrebtes Werk, ein Kissen in Blau, war ein typisches „Keine-Ahnung-von-was-auch-immer-Anti-Erlebnis“. Keinen Plan von der Anforderung/Aufgabe (es waren nur Kombinationen aus Dreiecken und Quadraten). Ganz zu schweigen die Auswirkung der fehlgeschlagenen Farbaufteilung. Ach, und immer nur diese kleinen Nähte, wie lästig. Ich war doch gewohnt, Fuß auf´s Pedal, lange Bahnen und ab. Dazu kam zu allem Überfluss auch noch die penetrante Umerziehung von den vertrauten Zentimetern in unverständliche Inches! Schere? – nein - Rollschneider heißt das Ding! Nicht genug, dass das geliebte Zentimetermaß verbannt wurde, ich musste auch noch die guten, teuren Stoffe zerschneiden! Ziemlich viel auf einmal. Missmut und Unverständnis machten sich in mir breit. Ich war nahe dabei, die „PW-Kündigung“ auszusprechen. Neeee Renate, das mit dem Patchwork ist doch nicht das Richtige für dich. Dafür bist du nicht geeignet.

Aber wie das oft so im Leben ist, von irgendwo kommt ein Lichtlein her: Paperpiecing, oder „Nähen auf Papier“, bzw. auch „Nähen nach Zahlen“ genannt. Bäumchen in verschiedenen Variationen waren angesagt. Aha. Das hatte ich zu meinem Erstaunen recht schnell umsetzen können. Das Ergebnis war ein nicht endend wollendes Kreieren von großen, kleinen, dicken und dünnen Bäumen. Ein Teil davon verwurzelte sich dann schließlich zu meinem ersten eigenständig genähten kompletten Wandbehang. Stolz kam auf. Die Macken bezüglich Quilten und Binding an diesem Erstlingswerk betrachte ich heute mit einem verständnisvollen, wohlwollenden Lächeln.



Dieses Positiv-Erlebnis schob mich wieder „auf die PW-Bahn“, auf der ich bis heute noch „voll abfahre“. Die ersten Jahre waren geprägt in der Erstellung von Standardblöcken, sammeln von Stoffen nach der Devise: Hauptsache haben, der Einsatz wird sich schon noch finden. Irgendwann kam ich dann an den Punkt, an dem ich das altbewährte Rad nicht mehr zum x-ten Mal neu erfinden wollte.

Erneut leuchtete ein Lichtlein auf: Mein erster Wochenendkurs 2015 mit Brigitte Heitland = ZEN CHIC = CROSS IT! Meine erste große, nachhaltige Patchworkliebe (durfte auch mit in Urlaub fahren). Ab da entwickelten sich Kontakte zu Mitgliedern der Modern Cologne Quilterinnen. Eine bereichernde Inspirationsquelle für mich. Zauberwort: Modern Design. Die Grundlage für meinen Stimmungswandel bildete u. a. Stoffserie „Paper“ von Moda, respektive Brigitte Heitland. Diese Art von Design hatte sich für mich zuvor noch nicht erschlossen. Seitdem beseelt mich die Empfindung: Hinterm Horizont geht´s weiter!


Bislang prägte mich „Bunt“ in jedweder Weise. Darf es durchaus auch noch, aber dann bitte gezügelt, abstrakt, straff, modern.

Zur Zeit verfestigt sich mit zunehmender Tendenz der Spannungsbogen der Möglichkeiten im „Low Volume Bereich“. Fange an zu begreifen, dass weniger durchaus sehr viel mehr sein kann.


Letztes Beispiel: Zweiter Kurs Heitland im Juni dieses Jahres. CLARITY. Nach Kursende zu Hause angekommen, betrachtete ich mein begonnenes Werk, ausgehend von der vorgeschlagenen Idee. In meinem Bauch grummelte es schon vom Vortag an. Im Fernsehen lief ein EU-Vorentscheidungsspiel Deutschland gegen (ich weiß nicht mehr wer). Meine Blicke wechselten zwischen dem auf dem Boden liegenden „Anfangsverdacht“ und dem Bildschirm. Dort fielen die Tore und bei mir zunehmend der Groschen. Habe mit plötzlich einsetzender „Klarheit“ entschieden, die Farbgebung in „Zurückhaltung“ umzuwandeln und – siehe da – das Bauchgrummeln war wie weggeblasen. CLARITY verselbständigte sich wortwörtlich in meinem Inneren auf angenehme Art und Weise. Geht doch!


Erkenntnis: Werde bei Projektentscheidungen verstärkt meinem Bauchgefühl nachgeben - mal wieder frei nach Udo Lindenberg: Und ich mach mein Ding! Er bringt es auf den Punkt. Ein Prozess, der noch in den Anfängen steht und sich entwickeln wird.

Man sagt mir nach, ich sei pingelig. Nun ja, was soll ich sagen: Ich strebe gerne 100 % an, da durch die Arbeitsprozesse mit den „Stofflichkeiten“ natürlicher „Schwund“ nicht auszuschließen ist, und ich dementsprechend automatisch auf ein Normalmaß zurückfalle (oder so ähnlich). Jedenfalls ist mir ein sauberes Ergebnis schon sehr wichtig.

Ideen, Nähmaschine, Technik, Nahttrenner, usw. bilden eine zweckgebundene Symbiose. Zeitaufwendiges, ausdauerndes Arbeiten mit der Hand wie Quilten oder Binding annähen wirken beruhigend auf mich. Manchmal denke ich, so ähnlich könnte meditieren sein (der Weg ist das Ziel). Ein gleiches Gefühl stellt sich beim Unkrautzupfen ein. Auf jeden Fall endet dieses Tun immer wieder in einem unausweichlichen Erfolgserlebnis.

Aus dieser Erkenntnis hat sich auch die Methode „English Paperpiecing“ für mich als Möglichkeit aufgetan. Papierschablonen wie Hexagone, Rhomben oder Dreiecken o. ä. mit Stoff beziehen und Gestalten, alles von Hand. Diese Projekte eignen sich bestens problemlos ortsunabhängige Zeitlöcher zu stopfen. „Lieseln“ geht bei mir nicht. Schon das Wort kommt mir nur widerwillig über die Lippen. „Blumenwiesen“ sind nicht so mein Ding.

Das Handnähen habe ich bisher für die Erstellung optisch interessanter 3-D-Projekte angewandt.

Ufo´s (unfertige Objekte) kann ich hingegen nicht dauerhaft gut ertragen. Habe das Bedürfnis, Dinge zu Ende zu bringen.

Übrigens: Das Kissen „in Blau“ erfuhr postum eine Art Wiederauferstehung und zwar in Form von Einzelteilen, die, der Restekiste entronnen, in anderen ehrenwerten Projekten weiterleben.

Apropos Restekiste: Das ist bei mir wie mit unliebsamen Insekten, erschlägst du eins, kommen fünf neue und rächen sich durch penetrante Anwesenheit!

Neben der ersten Quiltgruppe aus 2007 hat sich inzwischen aufgrund verstärkter Nachfrage seit 2014 eine zweite Einheit etabliert. Wir treffen uns weiterhin monatlich und erarbeiten gemeinsam Neues oder, was Frauen manchmal noch wichtiger zu sein scheint = Quatschen (Aufwertung: Fachsimpeln!). Oder umgekehrt.

Tipp: Ahnungslose können den steinigen Anfängerweg verkürzen, indem sie sich einen aufschlussreichen Anfängerkurs gönnen.

Freue mich auf kommende spannende Zeiten und Begegnungen, sowie das Bedürfnis, die weißen Flecken auf meiner PW-Landkarte mit Inhalten zu füllen. Es gibt noch viel Luft nach oben.

Diese Freude würde ich gerne mit Euch teilen.

In diesem Sinne grüßt Euch

Renate Salz

Anmerkung: War bisher noch nicht in der Sozialen Medienwelt vertreten. Beginne mich zu trauen. Zur Zeit ist meine Homepage noch in Bearbeitung. Hoffe, dass ich sie bald mit Leben, bzw. Inhalten füllen kann = Nähzimmer.net

Kommentare:

  1. Liebe Renate,
    Dieses Blind Date mit dir ist so du...wir treffen uns zwar zum Nähen im richtigen Leben, aber jetzt weiss ich doch plötzlich noch mehr. Ich freue mich sehr dich getroffen zu haben und deine tollen Quilts in echt bewundern zu können. Da sind sie nämlich noch schöner als auf den Fotos. Bauchgefühl ist auch bei mir wichtig. Da verstehen wir uns sozusagen blind. Viele Grüße und ich bin gespannt auf deine Webseite, Martina

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    1. Hallo liebe Martina,
      THE DAY AFTER. Ganz, ganz lieben Dank für Deine Gedanken. Es gibt Dinge, die kann und sollte man nicht erklären wollen oder müssen, weil sie just in diesem Moment zerbrechen würden. Ich kann dieses Gefühl nur mit „Seelenverwandtschaft“ umschreiben. Unantastbar toll.
      Bis bald wieder
      Renate

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  2. Hallo Renate,

    schön so von dir hier zu lesen. Klasse, deinen Quiltwerdegang ein bisschen miterleben zu dürfen. Die Idee mit dem Clarityquilt hätte ich auch mal haben sollen... jetzt sind alle bunten Flowkreise angenäht oder aufgequiltet.

    Liebe Grüße und bis bald

    Judith

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    1. Hallo liebe Judith,
      danke für Deinen lieben Kommentar. Das erste mal in der Öffentlichkeit. Ganz schön aufregend.
      Das mit den FARBEN ist so eine Sache für sich (für mich). Ich ignoriere sie keinesfalls total. Wenn ja, dann allerdings lieber irgendwie „geordnet“. Die vielen bunten „Luftballons“ beim Clarity hatten mich beim Start einfach nur verwirrt.
      Weiterhin frohes Schaffen wünscht Dir
      Renate

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  3. Liebe Renate,
    Dein Blind Date zu lesen war mir ein große Freude. Alle Achtung, nicht nur Deine Quilts sind toll, sondern meine Bewunderung gilt auch Deinem Umgang mit Worten. Ein wirklich amüsanter Text über Deine Person! Danke dafür!
    Liebe Grüße und bis bald!
    Dorthe

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    1. Hallo liebe Dorthe,
      deine lieben Worte habe ich mit Freude gelesen. Buchstaben zu einem Sinn aneinander zu fügen ist für mich eine gefühlte Vorstellung ähnlich wie ein offenes Meer mit Horizont. Schön, dass Du meine Darstellung positiv empfunden hast.
      In diesem Sinne grüßt Dich
      Renate

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  4. Liebe Renate, ich kann mich den dreien nur anschließen. Ich fand deine Erzählung toll zu lesen und freue mich auch mal ehrliche Worte über den Einstieg in unser Hobby wiederzufinden.
    Schön, dass du dabei geblieben bist und ich dich in real life kennen lernen konnte. Ich freue mich dich zukünftig bei Brigittes Kursen wieder zu treffen. Ganz liebe und herzliche Grüße, Alex.

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    1. Liebe Alex,
      danke für Dein nettes feedback. Stell Dir ´mal vor, ich hätte das Blaue Kissen nicht überwunden. Was wäre mir da alles entgangen! Heißt: Niemals aufgeben und ggfs. einfach nur eine andere Wegbiegung wählen.
      Freue mich total auf weitere Kurstreffen.
      Es grüßt Dich
      Renate

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  5. Liebe Renate,

    das war wirklich super interessant und schön, Dich hier kennenlernen zu dürfen. Ich bin schon sehr gespannt auf Deine Seite, denn wenn Du so schreibst wir hier, werde ich sehr gern bei Dir vorbeischauen. Ich bin mir noch nicht ganz so schlüssig, ob ich mordern oder traditionelles PW bevorzuge. Ich finde vieles schön und probiere alles (wenn man nur mehr Zeit hätte...), aber Deine Quilts, die Du hier gezeigt hast, finde ich wirklich alle toll gelungen und gern hätte ich auch das blaue Kissen gesehen.

    Liebe Grüße
    Deine Ariane

    Liebe Grüße
    Deine Ariane

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    1. Liebe Ariane,
      das ist schon ganz schön spannend für mich – wir kennen uns nicht – und doch erhalte ich von Dir eine tolle Rückmeldung.
      Wie gesagt, die website ist in der Erstellung (fähiger Sohn!). Werde z.Zt. im Umgang mit den „Sozialen Medien“ gepuscht (Neuland).
      Im Rückblick (ca. 10 Jahre PW-Gruppe) habe ich sehr traditionell gearbeitet. Erst seit dem letzten Jahr habe ich für meine eigenen Empfindungen etwas verändern können. Ein Werdegang besteht aus „Bausteinen“, auch wenn, oder gerade weil sie übersprungen werden, zu neuen Erkenntnissen führen. Lass Dir Zeit. Wenn sie reif ist, macht sie automatisch etwas mir dir.
      Ja, ja, das unsichtbare Blaue Kissen. Hätte ich es nicht überwunden, wäre ich auch nicht weiter gekommen.
      In diesem Sinne grüßt Dich
      Renate

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  6. Liebe Renate,

    du bist eine Inspiration, und nicht nur für mich. Du wagst dich auf neues, unbekanntes Terrain und gibst den Dingen außerhalb der gewohnten Komfortzone eine Chance. Und was dann dabei rauskommt ist großartig! Das ist eine bewundernswerte Stärke und ich bin sicher, du hast erst angefangen mit dem Vertrauen in neue Pfade, da kommt bestimmt noch mehr!

    Liebe Grüße
    Brigitte

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    1. Liebe Brigitte,
      das war gestern schon ein ganz besonderer Tag für mich. Ich habe eine elementare, neue Erfahrung gemacht. Es reagieren Menschen auf mich, die ich in zwei Fällen noch nicht einmal persönlich kenne, und die unsichtbare Verbindung „nur“ durch ein gemeinsames Interessensgebiet gegeben ist. Schon toll!
      Deine Darlegung bedeutet mir sehr viel. So ähnlich könnten es die damaligen Aspiranen mit dem "Ritterschlag" empfunden haben. Danke Dir.

      Es grüßt Dich von Herzen
      Renate

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  7. Hallo Renate,
    es war mir eine Freude von deinem Werdegang, den Fortschritten und Vorlieben zu lesen. Du hast so anschaulich und herzerfrischend geschrieben. Deine Begeisterung für Brigitte Heitland teile ich mit dir, auch für mich war der Cross it-Kurs (in München) eine Bereicherung. Wär schön dich in der blogger-Welt wieder zu treffen, ich würde gerne bei dir reinschauen.
    LG este

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    1. Liebe Este,
      wir kennen uns nicht persönlich, und doch verbindet uns etwas. Ist das nicht toll?
      Schön für mich, Deine Begeisterung für Brigitte Heitland und ihre Kompositionen teilen zu können. Die Begegnung durch den Kurs „Cross it“ war für mich ein absolutes Schlüsselerlebnis. Es tat sich für mich die Erkenntnis auf, das altvertraute Wagenrad nicht zum x-mal neu erfinden zu müssen.
      Zur Zeit werde ich von meinem (fähigen) Sohn im Umgang mit Instagram und Facebook gepuscht. Dem schließt sich die angefangene website nähzimmer.net an. Dann gibt´s mehr Möglichkeiten des Austauschs.
      Weiterhin frohes Schaffen wünscht
      Renate

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  8. Liebe Renate,
    du bist ein Glückfall für unsere "Brigitte-QuiltgruppE". Deine Art Dinge zu beschreiben, zu erklären, uns näher zu bringen, ist fantastisch. Es waren tolle Kurse mit dir.Ich bin sehr froh, dich zu kennen.
    Und das verhaltene Trauen in den sozialen Medien- kann ich sehr gut verstehen. Mir geht es heute noch so- es bleibt spannend.
    In diesenm Sinne: Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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    1. Danke Dagmar, freue mich auch auf uns. Wir treffen uns wieder.
      Eine gute Zeit wünscht dir
      Renate

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